Gruebelix

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Artikel 17 - 20

Über das Telefon

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Eines Tages war Grübelix es leid, am frühen Morgen angerufen zu
werden und brachte an gut sichtbarer Stelle folgenden Zettel an:

Morgens um 7
ist die Welt noch in Ordnung


... und das wäre sie auch noch
um 8 und um 9,
wenn es das

nicht gäbe.

Anständige Menschen rufen mich
in der Zeit zwischen

13.30 und 19.30
an.

Alle anderen sind:
Terroristen
Chaoten
Triebtäter
Erbschleicher
Eierköpfe
Kakerlaken

...und haben allesamt einen
Sprung in der Schüssel!


Was hat's geholfen? Nichts!
Diejenigen, die's anging,
haben diesen Zettel geflissentlich übersehen.
Grübelix mußte erst mit Nachdruck darauf aufmerksam machen.

Grübelix ist ein Morgenmuffel.
Sie auch?
Dann wissen Sie ja, wie das ist:
so ein Redeschwall am frühen Morgen.

Grübelix hat gelernt daraus: er redet nicht mehr mit jedem.
Schon gar nicht im Morgengrauen!

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 25. November 2011 um 20:15 Uhr
 

Über das Warten

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Grübelix hat einen Termin beim Zahnarzt.
Früh am Morgen macht er sich auf den Weg
und kommt bis zur nächsten Straßenkreuzung.

Rot.
Na gut.
Weiter geht's.
Bis zur nächsten Kreuzung.
Rot.
Grübelix würde ja gerne,
aber neben ihm die Mutter mit ihrem Kind - lieber nicht.
Also warten.

Kein Auto weit und breit.
Polizei auch nicht.
Nur die Mutter mit ihrem Kind.

Beim Zahnarzt angekommen: bitte warten.

Da der Vormittag ohnehin versaut ist,
geht Grübelix gleich noch zur Behörde: bitte warten.

Anschließend zur Bank: das Übliche.
Was hilft's?

Der Kühlschrank ist leer.
Dann geht's zum Einkauf.
An der Kasse: Sie wissen schon.

Grübelix hofft, daß er eines Tages in den Himmel kommt.
Er sieht es schon vor sich,
das Schild an der Himmelstür:
bitte warten.

 

Über das Volksempfinden

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Des Volkes Seele ist recht empfindlich.
Mittlerweile.
Das war ja mal anders.
Oder?

Wo war des Volkes Seele,
als vor nicht allzu langer Zeit
Millionen Menschen verfolgt und ermordet wurden?

Zur Zeit wird in den Medien tagtäglich über
Ausländerhaß und Ausländerfeindlichkeit berichtet.
Wehe dem, der nicht eindeutig Stellung bezieht.

In Talkshows läuft das so ab:
ich habe nichts gegen Ausländer,
mein Freund ist ein Ausländer,
ich wohne Tür an Tür mit Ausländern.

Nach diese Verbeugung
vor des Volkes Befindlichkeit
kann schließlich zur Sache gekommen werden.
Dauert die Rede länger als drei Minuten,
ist eine weitere Verbeugung fällig:
ich habe nichts gegen Ausländer,
mein Freund ist ein Ausländer,
ich wohne Tür an Tür mit Ausländern.

Kennen Sie das Bild vom deutschen Michel?
Es hat sich nichts geändert.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 24. Oktober 2011 um 16:43 Uhr
 

Über Verwandtenbesuche

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Es ist lange her,
daß Grübelix seine Verwandten das letzte Mal sah.
Die Winter waren noch richtige Winter
und die Sommer endlos lang.

Zu Ostern und Pfingsten fielen die Verwandten
wie Heuschrecken über die heimischen Gefilde her.

Der Mittagsbraten machte Grübelix noch munter,
bei den Torten konnte er sich
ein Gähnen nicht verkneifen.

Mach den Mund zu, es zieht.

Immer gab es etwas, was Grübelix wurmte:
Schwesterchens Tritt gegen sein Bein.
Brüderchens Attacke auf sein Spielzeug.
Wollte Grübelix sich regen, gab's eins drauf.

Ärgerlich war auch der Spaziergang
nach dem Mittagessen.
Im Schneckentempo ging's durch die Natur.
Grübelix mißmutig hinterher.

Immer das Gleiche: Braten, Spaziergang, Torten.
Und der ewige Ärger mit den Geschwistern.

Abends wurde es interessanter:
da kamen die Getränke auf den Tisch.
Und in feuchtfröhlicher Runde stellte Grübelix fest,
daß Verwandte auch nur Menschen sind.

Als Grübelix konfirmiert wurde, änderte sich alles:
die Sippschaft war stellenweise knauserig,
aber für ein Fahrrad hat's dann doch gereicht,
und wenn später Verwandte kamen,
waren Fahrrad und Grübelix fort.

Über den Sinn und Zweck
von Verwandtenbesuchen kann man streiten.
Schaden an Leib oder Seele
hat Grübelix aber nicht genommen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 24. Oktober 2011 um 16:45 Uhr